Urteil der Presse steht bereits fest?

SR Tobias Keller

Man mag zu den Demonstranten stehen wie man will. Die Presse scheint allerdings ihr Urteil schon fertig zu haben, fragt nicht die Menschen, sondern betitelt sie als Pöbler. So kann kein Dialog und schon gar kein gegenseitiges Verständnis aufgebaut werden. Ich bin kein Fan derjenigen, die den Tag der Einheit in den Schmutz ziehen. Das beginnt mit der Ausgestaltung des Festes, das wie ein überdimensionales Stadtfest anmutete und für mich nicht sichtbar auf die unterschiedliche Geschichte vor 1989 hinwies, die Erfolge der Wiedervereinigung im Stadtbild kaum darstellte und auch die heutige Situation nur einseitig darstellte.
Das geht weiter damit, dass ich mir zu unseren Regierenden etwas mehr Nähe gewünscht hätte und nicht dass wir, die Akteure von 1989 uns vorkamen wie Zaungäste im wahrsten Sinne des Wortes, die Kanzlerin und ihr Troß weit weg und nur für wenige Minuten überhaupt sichtbar im Vorbeigehen auf dem Weg in die Semperoper. Ausgeschlossen, uninformiert und nun noch von der Presse als Sachsen und Ostdeutsche stigmatisiert und verächtlich gemacht. Aber auch die Demonstranten sind nicht das was ich erwartet hatte. Sie krakeelten bereits lange bevor die Obrigkeiten zu sehen waren und störten das Orchester und die Darbietungen. Vielleicht auch verständlich bei dem Frust des ausgesperrt seins...?

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